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Braucht Österreich dieses Gas? Nein, danke!

Über unsere Versorgungssicherheit und Gas-Fantasien in Molln – Ein Gastbeitrag von Frida Kieninger

Klimaschädling Gas

Gas, also Erdgas – genau das Produkt, das die Firma ADX in Molln fördern will, besteht fast ausschließlich aus Methan. Dieses Methan, das vor allem bei der Gasförderung in beträchtlichen Mengen in die Atmosphäre entweicht, heizt das Klima dort über hundertmal stärker auf als CO2.

Werden über 3% des Erdgases emittiert, ist die Klimawirkung dieses fossilen Brennstoffes sogar höher als die von Kohle!

Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Internationale Energiebehörde  vor wenigen Monaten die Aussage wiederholte, dass keine neue Gasförderung mehr nötig ist, wollen wir die dringend notwendigen Klimaziele bis 2050 auch erreichen.

Gasverbrauch sinkt – in Österreich und ganz Europa

Der Gasverbrauch in Europa ist seit 2022 stark gesunken, und zwar um ca 70 Milliarden Kubikmeter. Das stellt die achtfache Menge Österreichs jährlicher Gasnachfrage dar. Der Trend hielt auch 2023 an.

Wenn wir EU-Pläne zum Klimaschutz und den REPowerEU Plan der EU Kommission auch ernst nehmen, wird das bis 2030 zu einer weiteren signifikanten Verringerung der Gasnachfrage in ganz Europa führen: Und zwar um -30% bis -50% oder mehr.

Trotz der Nachfrageverringerung, und der Tatsache, dass EU Staaten auch für die Periode April 2023-März 2024 einer freiwillige Reduktion des Gasverbrauches um 15% zugestimmt haben, werden massive Ausbaupläne vorangetrieben, die zu gewaltigen Gas-Import Überkapazitäten führen könnten. Und das, obwohl die vorhandenen Importkapazitäten nicht ausgelastet sind. Über Importe zu sprechen ist wichtig: 2022 deckte die EU 97% ihres Gasverbrauchs mittels Importgas.

Österreichs Gasspeicher sind derzeit zu 99% gefüllt. Mit Gasmengen, die höher sind als das Land in einem ganzen Jahr verbraucht. Diese Gasfüllstände, so das EU VerbraucherInnennetzwerk Breugel, werden diesen Winter in Europa selbst bei Total-Lieferstopp und kaltem Winter gut gefüllt bleiben

Österreich im Kontext EU 

Das europäische Gasnetz besteht aus hunderttausenden Pipeline-Kilometern und ist dicht vernetzt, auch in Österreich. Deswegen ist es essentiell, Österreichs Versorgungslage im Kontext Europa zu betrachten. 

Die wenigsten Staaten in Europa beziehen noch russisches Gas: Das sind Österreich, die Slowakei, Slowenien und Ungarn, wobei es bei Ungarn fraglich ist, ob es aus russischem Gas aussteigen wird. Die Nachfrage in diesen Ländern macht nur einen kleinen Bruchteil am EU-Gasverbrauch aus. Im EU-Vergleich ist Österreichs Anteil an russischem Gas kaum der Rede wert: Österreich ist mit all seinen EU-Nachbarländern via Gas-Pipelines verbunden und könnte problemlos Gas aus z.b. Italien, Deutschland, Tschechien & Co beziehen. Die Kapazitäten sind da.

Warum Österreich noch einen großen Anteil an Gas aus Russland bezieht, liegt nicht an einem Gasmangel sondern an Verträgen, die die OMV mit der russischen Gazprom abgeschlossen hatte. An den vertraglichen Verpflichtungen würde auch der angebliche Gas-Fund in Molln nichts ändern.

Frierende BürgerInnen oder Gas für Petrochemie, fossile Düngemittel & CO?

Wenn Medien kolportieren, dass ÖsterreicherInnen im Winter ohne Gas zu frieren drohen, ist das sogar doppelt falsch: Derartig verzerrte Darstellungen blenden aus, dass weniger als ein Drittel des Gases in Österreich für Haushalte verwendet wird. Viel Gas fließt europaweit in die Petrochemie, also in die Produktion von Plastik, oder die Produktion von fossilen Düngemitteln und andere Industriezweige. Und diese Abhängigkeit lässt sich Europa momentan einiges kosten: 400 Milliarden Euro hoch war die Gasrechnung allein im Jahr 2022.

Es darf nicht sein, dass unbegründete Panikmache zu komplett irrationalen Maßnahmen führt. Die skrupellosen Pläne, in einer einzigartigen Region gleich neben dem Nationalpark Kalkalpen nach Gas zu bohren, sind unnötig, um Österreichs Versorgungssicherheit zu erhöhen. Es ist vielmehr bitterböse Ironie, wenn hier der falsche Vorwand des Schutzes der österreichischen BürgerInnen herangezogen wird, nur um ein höchst klimaschädliches Projekt durchzuboxen, das den fragilen Naturschatz des Steyrtals bedroht.

Über die Autorin

Frida Kieninger ist leitet die Abteilung für europäische Angelegenheiten bei Food & Water Action Europe mit Sitz in Brüssel. In Zusammenarbeit mit lokalen europäischen Gruppen und in den USA ansässigen Forschern setzt sie sich für ein Fracking-Verbot ein und setzt sich für einen Ausstieg aus fossilem Gas ein. Nach Abschluss ihrer Masterarbeit über die intensive Landwirtschaft in Südspanien beschäftigte sich Frida mit Fragen des europäischen Ernährungssystems sowie dem Übergang zu einem nachhaltigen Energiesystem, Gemeinschaftsenergie und Fragen der Klimagerechtigkeit. Sie hat sich im Kontext von EU-Institutionen und Brüsseler NGOs mit verschiedenen Ernährungs- und Energiethemen befasst.

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