Zum Inhalt
Startseite » News » Bewertung der naturschutzfachlichen Folgen der geplanten Gasbohrung beim Naturschutzgebiet Jaidhaus

Bewertung der naturschutzfachlichen Folgen der geplanten Gasbohrung beim Naturschutzgebiet Jaidhaus

  • von

Fachliche Stellungnahme von Prof. Franz Essl

Die australisch-österreichische Firam ADX hat im Mai 2023 einen Antrag auf Genehmigung einer Probebohrung und den Antrag auf die Erteilung einer naturschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung gestellt. Die geplante Bohrfläche liegt im direkten Nahbereich des Naturschutzgebietes Jaidhaus im Vorfeld des NP Kalkalpen.

Ich habe persönlich dieses Gebiet im Rahmen meiner Diplomarbeit Mitte der 1990er Jahre intensiv botanisch erforscht, und die Ergebnisse daraus veröffentlicht (Essl 1998). Vor wenigen Jahren habe ich eine weitere Masterarbeit betreut, die den aussergewöhnlichen Naturschutzwert des Gebietes bestätigt hat. Auch diese Arbeit wurde veröffentlicht (Schwaiger et al. 2022). Weiters habe ich in den 1990er Jahren die Amphibien- und Reptilienfauna der Talweitung Jaidhaus kartiert (Essl 2000), sowie die Heuschreckenfauna für den Verbreitungsatlas der Heuschrecken Österreich erfasst. Weitere Erhebungen aus anderen Organismengruppen (Pilze, Fledermäuse) unterstreichen die hohe Bedeutung der Talweitung Jaidhaus für den Naturschutz zusätzlich. Der besondere Naturschutzwert der im Naturschutzgebiet Jaidhaus geschützten Flächen ist mittlerweile daher umfangreich und ausreichend belegt und fachlich völlig unstrittig. Die extensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen im Naturschutzgebiet Jaidhaus und dessen Umgebung gehören zu den letzten Refugien für eine Vielzahl seltener und bedrohter Wiesenarten aus diversen Organismengruppen.

Es ist festzuhalten, dass die unterschiedlichen ungedüngten Wiesentypen des Naturschutzgebietes Jaidhaus von überragendem Naturschutzwert, und in Oberösterreich in Qualität und Flächenausdehnung einzigartig sind. Es handelt sich dabei um hochgefährdete Lebensräume – wie dies durch die Rote Liste der gefährdeten Biotiotypen Österreichs klar dokumentiert wurde (Essl & Egger 2010). Weiters handelt es sich überwiegend um Lebensräume, die im Anhang I der FFHRichtlinie gelistet sind, für die Österreich daher international verbindliche Schutzziele zu erfüllen hat, und die sich in Österreich in einem schlechten Erhaltungszustand befinden. Jede weitere Beeinträchtigung dieser Lebensräume und der in ihnen vorkommenden Arten, die durch die Erreichtung und den Betrieb einer Gasbohranlage samt zugehöriger Infrastruktur unvermeidbar wäre, ist aus naturschutzfachlicher Sicht daher höchstproblematisch.

Dabei ist besonders zu betonen, dass die Talweitung Jaidhaus bislang von baulichen Eingriffen nicht betroffen ist. Dieser Sachverhalt wurde zurecht auch im naturschutzfachlichen Gutachten des Landes Oberösterreich betont.

Zusammenfassend ist daher zu festzuhalten, dass die Errichtung einer Gasbohrinfrastruktur im direkten Nahbereich des Schutzgebietes Jaidhaus unvermeidbare negative Auswirkungen auf hochgefährdete Arten und Lebensräume, und auf das Landschaftsbild hat. Diese Auswirkungen konterkarrieren die Zielsetzungen der FFH-Richtlinie sowie der EU-Biodiversitätsziele, zu deren Erreichung sich Österreich verbindlich verpflichtet hat.

In der EU-akkordierten Umsetzung der Pariser Klimaziele hat sich Österreich zu einer raschen und kontinuierlichen Reduktion der Emissionen von Treibhausgasen entschlossen. Allerdings ist aus fachlicher Sicht festzuhalten, dass die nationale Umsetzung den eingegangenen Verpflichtungen bislang nicht entspricht (Link). Österreichs Klimapolitik ist daher als unzureichend zu bewerten, und es ist davon auszugehen, dass ab dem Jahr 2030 mehrere Milliarden Euros jährlich an Strafzahlungen zu leisten sein werden. Zudem sind die wirtschaftlichen und gesundheitliczhen Kosten der Folgen des Klimawandels in Österreich enorm und rasch zunehmend (z.B. APCC 2018, Steininger et al. 2020).

Ergänzend ist festzuhalten, dass der Gasverbrauch seit dem Jahr 2022 in Österreich massiv sinkt (https://energie.gv.at/gas/gas), mit einem Rückgang von c. 10 % im Jahr 2022 im Vergleich zur Periode 2017-21. Es ist daher politisch vordringlich, gesellschaftlich und ökonomisch sinnvoll, den weiteren Übergang zu einem dekarbonisierten Energiessystem prioritär voranzutreiben. Daher ist auch aus übergeordneter energiepolitischer Perspektive eine Ausweitung der Gasinfrastruktur in Österreich nicht sinnvoll und nicht im öffentlichen Interesse.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert